Mit Software gegen Hass auf Facebook?

Auf Facebook bin ich auf einen Artikel in der Jüdischen Allgemeinen gestoßen, der sich einem Facebook-Problem widmet: Antisemitische Beiträge und Kommentare. Der Autor, Journalist bei der Bildzeitung, beschreibt das Problem und überlegt, warum Facebook nicht konsequenter dagegen vorgeht.

Er schlägt Filtersoftware als Lösung vor: Dabei ist es technisch überhaupt kein Problem, unerwünschte Beiträge zu filtern und direkt zu löschen. Schon lange nutzen Verlage spezielle Programme, um die Leserkommentare unter ihren Online-Artikeln noch vor Veröffentlichung zu überprüfen. Tauchen dann in den Beiträgen Wörter oder Formulierungen auf, die zuvor von den Betreibern in einer »Blacklist« gespeichert wurden (…), werden diese Kommentare direkt blockiert und erscheinen erst gar nicht auf der Seite.

Das mag für manche eindeutige Begriffe mehr oder weniger funktionieren oder für solche unerwünschten Abbildungen und Links, die immer wieder gepostet werden und nicht mal als kritisches Zitat erwünscht sind. Dass ich insgesamt skeptisch bin, hat auch mit einer Erfahrung zu tun: Ich tauschte mich im Amazon-Forum für KDP-Autoren mit einer jüdischen Autorin über ihr Buchcover aus, und plötzlich war es uns nicht mehr möglich, den Thread fortzusetzen. Nach einigen Versuchen von uns beiden kam ich zu dem Schluss, dass wir mit unserem harmlosen Austausch über ein Bildmotiv eine Filtersoftware getriggert haben mussten, denn in den anderen Threads konnten wir beide schreiben.

Dieses etwas plumpe Beispiel zeigt, dass eine Software allein kein Ersatz für Personal ist, das mitdenkt und auch mal einen Einzelfall beurteilen kann. Man kann und will ja hoffentlich nicht alles zum Tabu erklären, was irgendwie mit Juden in Verbindung steht. Wenn man den Filter weniger streng einstellt, rutscht aber auch mehr Unerwünschtes durch. Das kann man wohl nicht mit einem Spamfilter im Mailpostfach vergleichen, der nicht nur die Worte einer E-Mail beurteilt, sondern auch den Absender und den Mailserver in die Bewertung einbezieht und durch die User trainiert wird, die Mails manuell zum Spam erklären. Und auch hier passieren noch Fehler, obwohl es schon recht gut funktioniert.

Offenbar fehlt es auf Amazon und Facebook einfach an ausreichend Personal, das sich verantwortlich um solche Probleme kümmern könnte, oder anders gesagt: Sie haben bei den Unternehmen keine hohe Priorität. Was Amazon angeht, kennt man die Gleichgültigkeit auch von unpassenden oder sinnlosen Kundenbewertungen, die fast nie gelöscht werden.

Um den ernsteren Facebook-Problemen wie den beschriebenen Hasskommentaren etwas Nachdruck zu verleihen, können User problematische Beiträge melden. Auch wenn das nicht immer etwas bewirkt, vielleicht bringen Beschwerden in der Summe doch etwas. Wer darauf nicht warten mag, kann sich auch etwas anderes einfallen lassen und das jeweilige Problem öffentlich machen. Antisemitismus ist nicht das Privatproblem der Juden, so wie auch Sexismus nicht das Privatproblem der Frauen ist.

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