Lohnen sich Twitter, Xing, Facebook und Co?

Als Autorin stoße ich relativ oft auf die Empfehlung, Social Media zu nutzen, um bekannter zu werden und neue Leser zu gewinnen. Gemeint sind Twitter, Facebook, Xing, Google+, Pinterest und so weiter. Wer sowieso schon auf diesen Plattformen aktiv ist, sollte selbstverständlich passende Gelegenheiten nutzen, um auf neu erschienene Bücher, Lesungen, Vorträge oder Workshops hinzuweisen. Aber lohnt es sich, sich dort extra zu engagieren und viel Zeit zu investieren, um Bücher und E-Books besser zu vermarkten? Ich persönlich halte Social Media in dieser Hinsicht für stark überschätzt und möchte das in diesem Beitrag genauer darstellen. (Youtube und andere Videoportale lasse ich jetzt mal beiseite, da ich sie noch nicht aktiv eingesetzt habe.)

Auf Twitter habe ich mich vor zwei oder drei Jahren angemeldet, um diese hippe Plattform auszuprobieren. Twitter funktioniert relativ simpel: Man abonniert bestimmte User und bekommt dann deren Tweets – also die 140-Zeichen-Kurznachrichten – chronologisch in der so genannten Timeline aufgelistet. Manche posten auf Twitter lustige Sprüche, veröffentlichen kluge Bemerkungen zum Tagesgeschehen oder kurz kommentierte Links. Ich lese als „Follower“ bei diversen Kollegen, alten und neuen Blogger-Bekannten sowie einigen Medien und Institutionen mit, manche von ihnen im Gegenzug bei mir. Tweets, die mir gefallen, kann ich per Retweet auch meinen Followern in die Timeline spülen.

Twitter – flüchtige News und kreatives Chaos

Wie gehe ich mit Twitter um? An manchen Tagen sehe ich gar nicht in die Timeline rein, an anderen Tagen klicke ich etliche Links an und lese die empfohlenen Artikel – da kommt schnell eine Stunde oder zwei zusammen. Selbst etwas zu veröffentlichen geht da schon schneller, zumindest wenn man am PC sitzt und vernünftig tippen kann. Twitter ist ganz nett, um diverse Anregungen zu bekommen und um mit aktiven Leuten lose in Kontakt zu bleiben – man könnte auch sagen, ein inspirierendes Durcheinander. Aber effizient erscheint es mir für Autorinnen und andere Solo-Unternehmer eher nicht.

Mal konkret in Zahlen: Wenn ich selbst einen Link zu meinem Blog an rund 200 halbwegs handverlesene Follower twittere, bringt das nur wenige Besucher auf die Seite, manchmal gar keinen. Wie kommt das? Nicht alle Follower sind derzeit auf Twitter aktiv, manche bevorzugen Facebook oder sind zu Google+ weitergezogen, wieder andere schauen nur einmal am Tag rein, wenn mein Tweet längst durchgerauscht ist. Oder sie klicken den Link nicht an, weil auch ihr Tag nur 24 Stunden hat. Follower sind noch lange keine Website-Besucher und erst recht keine Käufer. Ich erinnere mich, dass mein Hinweis, dass mein erstes E-Book nun auch im Epub-Format zu haben war, dank Retweets an rund 2.000 Follower ging, aber kein Mensch das E-Book kaufte. Sowas ist völlig normal.

Xing nutze ich länger als Twitter, aber eher noch halbherziger. Mit Xing verbinde ich, dass mir zu viele Benutzer etwas verkaufen wollen. Die Diskussionen in den Foren verliefen oft oberflächlich, wobei ich aber den Eindruck habe, dass das besser oder vielfältiger wird. Früher waren auf Xing vor allem Leute aus Marketing und Vertrieb unterwegs, die vorherrschenden Anschauungen schienen direkt aus der BWL und der FDP zu kommen. Mittlerweile tummeln sich dort alle möglichen Berufe und Qualifikationen, die Stimmen sind vielfältiger geworden. Außerdem können zahlende Xing-User („Premium-Mitglieder“) ähnlich wie auf Twitter und Facebook eigene Nachrichten veröffentlichen. Diese Statements, die länger sein dürfen als auf Twitter, werden dann den Xing-Bekannten angezeigt – sofern sie die Nachrichten des Gegenübers nicht ausgeblendet haben.

Fast überall – die Drückerkolonne

Lästig sind die berüchtigten Kontaktesammler, die es auch auf Twitter gibt. Für Xing und Twitter werden sogar spezielle Programme angeboten, die den Aufbau von Kontakten auf den Plattformen mehr oder weniger automatisieren: Damit könnte man anderen Leuten auf Twitter folgen und sie automatisch wieder löschen lassen, wenn sie den Kontakt nicht erwidern. Man könnte neuen Followern automatisch eine vorgefertigte Begrüßung mit oder ohne Werbung zukommen lassen. Oder man kann mit Hilfe fertiger Textbausteine den Xing-Kontakten zum Geburtstag gratulieren.

Auf diese Weise sind vor allem solche Leute auf Social-Media-Plattformen unterwegs, die die gewonnenen Kontakte möglichst direkt für den Online-Vertrieb nutzen wollen. An einem gegenseitigen Austausch oder an den Angeboten anderer sind sie gar nicht interessiert. Wenn es besonders glatt läuft, folgen womöglich irgendwelche geschäftigen Accounts einander, ohne dass jemals ein Mensch die zugehörigen Tweets und Xing-Posts liest … Da erscheint mir ein altmodisches Forum mit echten Menschen attraktiver.

Xing – der Gender-Fluch der Datenbank

Bei Xing liegt eine weitere Tücke im Detail: Wenn man in der erweiterten Suche nach bestimmten Berufen sucht, weil man zum Beispiel Fotografen oder Programmierer braucht, werden nur solche Xing-Teilnehmer gelistet, die die Berufsbezeichnung „Fotograf“ oder „Programmierer“ exakt so im Profil eingetragen haben. Das heißt, es werden bei einer Suche nach „Fotograf“ praktisch nur Männer ausgeworfen, nach einer „Fotografin“ müsste man extra suchen. Die Xing-Datenbank ist nämlich nicht in der Lage, eine Programmiererin als Programmierer zu erkennen, obwohl das technisch durchaus machbar und nicht mal ungewöhnlich wäre!

Um in diesem Xing-Wettlauf zwischen Hase und Igel dieselben Chancen zu haben wie Männer, müssten Frauen ihre Berufsbezeichnungen in der männlichen und weiblichen Form in ihr Profil eintragen. Aber wie sieht das denn aus, wenn ich mich als Autorin und Autor, als Journalistin und Journalist zugleich bezeichne? Oder mich als im Westen aufgewachsene Frau mit dem DDR-Maskulinum bezeichne? Sowas geht gar nicht auf einer Plattform, deren Nutzung teilweise kostenpflichtig ist. Also Xing-Daumen runter.

Facebook – eure Meinung ist gefragt :-)

Um Facebook habe ich bisher einen Bogen gemacht. Die Plattform gilt als kompliziert, was z.B. die ganzen Privacy-Einstellungen und ständigen Änderungen betrifft, und als Zeitfresser sowieso. Einerseits heißt es oft, dass man dort viele Besucher fürs Blog gewinnen kann. Andere sagen, dass sie die Diskussionen ihrer Community nicht nach Facebook auslagern, sondern lieber im eigenen Blog führen möchten. Wie denkt ihr darüber? Wie ergeht es euch auf Facebook – sei es als Autoren, als Dienstleister oder Privatpersonen?

(Ich wollte ja schon länger auf das Thema eingehen, den letzten Anstoß lieferte eine Blogparade zur Frage: Lohnen sich Facebook, Twitter & Co. überhaupt? Der Veranstalter ist nicht auf Facebook und Twitter unterwegs. Die gesammelten Antworten stehen dort.)

8 Gedanken zu „Lohnen sich Twitter, Xing, Facebook und Co?

  1. Martin Grünstäudl

    Hallo Irene!

    Freut mich, dass du bei meiner Blogparade dabei bist :)

    Ich finde echt erstaunlich, dass Xing die weibliche Form von Berufsbezeichnungen nicht erkennt. Von so einem bekannten Netzwerk würde man sich das eigentlich schon erwarten.

    Wünsch dir ein schönes Wochenende!
    Martin

  2. Alex L

    Hi,
    meine Erfahrungen auf Facebok halten sich in Grenzen, aber ich kann sagen, dass von Facebook einiges an Besuchern rüber zum Blog kommen. Es sind wirklich nicht viele, aber am meisten als von anderen Social Networks wie Twitter und Google+. Man kann über den Besucherstrom aus Social Networks behaupten, dass es sich in Grenzen hält und man muss wirklich viel machen und tun, damit es überhaupt zum Traffic kommt. Mehrere Tausend von Followern auf Twitter nützen auch wenig, wenn daraus nur 50 Blogbesucher resultieren. Naja gut, immerhin etwas. Bei mir kommt das Meiste über Facebook, Twitter und Google+ hinken hinterher.

    Und in Zukunft wird sich der meiste Traffic nicht ändern, da wir bloggende Webmaster eher vom Suchmaschinen-Traffic profitieren. Das können Social Networks einfach nicht toppen und es ist auch nicht deren Aufgabe. Social Networks sind doch nur dazu da, um sich auszutauschen und ein paar Inhalte teilen zu können, mehr nicht. Das ist meine Meinung zum Thema.

  3. Arno Schimmelpfennig

    Guten Tag,

    vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Finde ihn ansprechend. Er bewegt mich zum Nachdenken. Nur bei XING teile ich die Meinung nicht.

    Ich leite die XING-Gruppe „Business-Netzwerk Oberfranken“ gemeinsam mit Mario Müller und dem XING-Ambassador, Jürgen B. Lehner. Monatlich halten wir Live-Treffen ab. Die exakte Suche und auch die Verwaltung der Gruppenmitglieder ist also eine Sache, die wir sehr ernst nehmen.
    Xing bietet hier mit der Power-Suche und der erweiterten Suche zwei Tools an, mit denen jeder Nutzer wirklich präzise suchen kann.
    Ja, es stimmt, dass bei der Eingabe von „Fotograf“ nur die männliche Form gesucht wird und damit nur Profile, welche die männliche Form eingegeben haben. Ebenso, wie bei „Fotografin“ nur die weibliche Form gesucht wird. Ein Gender Thema?
    Ich schlage hierzu folgendes vor: Suchen Sie „Fotograf*“ – der Stern hinter dem Wort ist entscheidend. Denn dann erreichen Sie sowohl Damen ALS AUCH Herren.

    Sie können zudem mit „OR“ suchen. Das macht Sinn, wenn Sie Stadt UND Land suchen. Im Raum Bamberg zB suchen Sie dann „960* OR 961*“ und bekommen ein umfassendes Ergebnis.

    In diesem Sinne viel Spaß beim weiteren Netzwerken.
    Arno Schimmelpfennig
    film-recruiting.de

  4. ebookautorin Artikelautor

    > Ich schlage hierzu folgendes vor: Suchen Sie “Fotograf*” – der Stern hinter dem Wort ist entscheidend. Denn dann erreichen Sie sowohl Damen ALS AUCH Herren.< Danke für die Hinweise zu Suche. Doch wie viele kennen diese Lösung mit dem Sternchen und praktizieren sie tatsächlich? Es geht ja nicht darum, dass ich mittels Geheimtipps und Verrenkungen doch noch Frauen und Männer gleichermaßen finden könnte - das reicht mir nicht. Die meisten Selbständigen möchten auf Xing möglichst gut und einfach gefunden werden, um Aufträge zu bekommen. Das gilt für Frauen ganz genauso wie für Männer. Außerdem verwendet Xing - zum Beispiel in seinem Blog - das generische Maskulinum (das heißt, die männliche Form bezieht sich normalerweise auf Frauen und Männer). In so einem Umfeld geht man davon aus, dass es in der Suche auch nicht anders ist.

  5. Pingback: Links und Lesetipps | Ebookautorin.de

  6. be wonderful!

    Danke für den Erfahrungsbericht, liebe Irene!

    Aus meiner Sicht sind sowohl Facebook als auch Twitter dann sehr ergiebig, sobald ich offen mit Menschen die Kommunikation suche.

    Das reine Posten von Buchlinks gemischt mit Links zum eigenen Blog, der eigenen Webseite empfinde ich – so wie die meisten Menschen – als Spam.

    Konkret meine ich damit etwa auf Twitter das direkte Antworten auf Tweets, statt nur „unkommentiert“ zu retweeten oder zu favorisieren einmal die eigene Meinung dazu tun. So haben sich schon so manche interessante Gespräche ergeben und ich habe auf Twitter auch richtige Freundschaften geschlossen.

    Die Klicks auf die Verkaufs- und Leselinks, die dann in der Folge zunehmen sind sozusagen ein Nebeneffekt. Ich habe meine Erfahrungen in Tipps für Autor_innen zu Twitter zusammengefasst:
    http://be-wonderful.at/twitter-fuer-autoren-und-autorinnen-erfahrungen-und-tipps/

    Bei Facebook gilt im Grunde das Gleiche: Für Ratgeberautor_innen sind gut in ihren themenspezifischen Foren = Gruppen aufgehoben, die ein guter Ort sind, um die eigene Reputation mit inhaltlichen Beiträgen zu stärken.

    Außerdem gibt es die verschiedensten Autor_innengruppen, wo zum Teil viel gegenseitige Unterstützung in technischen und Marketinfragen stattfindet.

    Für reine Werbezwecke bietet Facebook gerade für 99 Cent-Aktionen gute Plattformen.

    Was alle Plattformen gemeinsam haben (das gilt auch für Xing, LinkedIn und Google+): Sie brauchen Zeit. :)

    LG und schönes Wochenende!

    Tom

  7. Pingback: Facebook und Online-Marketing für Autorinnen und Autoren | Ebookautorin.de

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